Dr. Klaus Strohmeyer - Wissenschaftliche Recherchen
© Dr. Klaus Strohmeyer 2004-2006

"Ein Europäer", Bildkarte aus dem Spiel "Reise um die Welt" (um 1900) "Patagonier und Botokuden", Bildkarte aus dem Spiel "Reise um die Welt" (um 1900) "Der Polynesier auf Neuseeland", Bildkarte aus dem Spiel "Reise um die Welt" (um 1900)

Mentalitäts- und Identitätsgeschichte

Die Entzifferbarkeit von Mentalitäten und Identitäten, das gegenseitige Verstehen verschiedener kultureller Interpretationsmuster ist heute in Zeiten der Globalisierung zu einer Voraussetzung kosmopolitischer Strategien, aber auch zu einem entscheidenden Faktor beruflichen Erfolgs geworden. Ohne Lernprozesse am anderen, ohne das Verständnis fremd erscheinender Verhaltensformen und Traditionen, ist die eigene Identität, ist das Selbstverständnis, Fehleinschätzungen und Vorurteilen ausgesetzt.

Für die notwendige interkulturelle Verständigung sind deshalb spezifische themen- und problemorientierte Analysen kaum noch verzichtbar.

Durch die grundlegenden Veränderungen im globalen Verhältnis von Ost und West, Beendigung des Kalten Krieges, Beseitigung von Grenzen und Barrieren, im besonderen durch die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland bzw. von der Bundesrepublik Deutschland und der DDR wurden Mentalitätsdifferenzen sichtbar, die die aus einer Vielzahl von schwer zu spezifizierenden und zu gewichtenden Faktoren herrührten. In geopolitischen und geopsychologischen Bedingungen, in ethnischen Herkünften, in Regionalkultur und Heimattradition, in historischen und mundartlichen Gegebenheiten, aber in unterschiedlichen politischen und sozialen Erziehungsmustern und Strukturen sowie in konfessionellen Zugehörigkeiten sind Identitäten und Mentalitäten verankert, wobei Identitäten den bewussteren Teil der Selbstbestimmung und Selbstvergewisserung einer Bevölkerungsgruppe ausmachen, Mentalitäten eher die schwer benennbaren un- oder vorbewussten Anteile bezeichnen.

Ein besonderes Gewicht kommt bei der Bestimmung der eigenen Mentalität und Identität dem Verhältnis zum anderen bzw. zu einer fremden Gruppe zu, wobei Urteile in der Regel durch historische Traumatisierungen, Brechungen und Blickverengungen verklärt und verzerrt werden und im Status des Vorurteils verbleiben. Jede Mentalitäts- und Identitätsforschung ist insofern auch Vorurteilsforschung. Besonders im Verhältnis ethnischer und kultureller Nachbarschaften sind oft weit zurückliegende gegenseitige Verletzungen, Fehlverständnisse und Grenzüberschreitungen virulent und erweisen sich als Behinderung der Kommunikation.

Zur Erforschung dieser Zusammenhänge wurde 1993 von einer Gruppe von Wissenschaftlern, Soziologen, Ethnologen, Kulturwissenschaftlern, Stadtplanern u. a., das Institut für die Geschichte europäischer Kulturen und Mentalitäten gegründet, das bei mentalitätsspezifischen und interkulturellen Fragestellungen in die Recherchearbeit einbezogen wird. Dabei werden jeweils Wissenschaftler des beteiligten Kulturkreises beteiligt.

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