Dr. Klaus Strohmeyer - Wissenschaftliche Recherchen
© Dr. Klaus Strohmeyer 2004-2006

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Kathedralen des Konsums

"Die Passage als "Straße in der Straße" wird vom Warenhaus als 'Stadt in der Stadt' verdrängt. Gleichwohl ist das Warenhaus im Gegensatz zur Passage mit ihren exquisiten Einzelgeschäften Umschlagplatz von Massenware und richtet sich unterschiedslos an jeden Kunden, nicht nur an den, der sich die angebotene Ware leisten kann, sondern auch an den, für den die Ware nicht erschwinglich ist."

"Der Standort des Warenhauses ist die Stadt, die Metropole, nur in der Großstadt kreiert die Kundenmasse den Massenkunden. Warenhäuser machen aus Passantenströmen Kundenströme, zentrieren Käuferbewegungen, ziehen Verkehrsflüsse, aber auch Staus auf sich in ganz anderem Maße als alle Vorläufer. Sie wenden sich an ein Massenpublikum. Aber diese scheinbar so profane, durch und durch säkulare Einrichtung, die den Gesetzen des Warentauschs gehorcht, ist nicht ohne Grund oft als sakraler Raum beschrieben worden. In den gewaltigen Ausmaßen des Warenhauses, in der Reihung und Stapelung der Warenwelt wird ein Kunst- und Andachtsraum konstituiert, in dem die Psychologie des Geldes den Ton angibt. Wo sich alles um die Ware dreht, jede Handlung, jeder Blick, jede Berechnung, wird das Profane aller Kauf- und Verkaufsakte zur Religion. Diese Religion der Dinge, in der der Tauschwert mit dem Gebrauchswert ringt, sich der Wert nur realisieren lässt, wenn der Gebrauchswert mit dem Bedürfnis des Käufers korrespondiert, gleicht dem Tanz um das Goldene Kalb."


Über diesen Text:

Klaus Strohmeyer: Kathedralen des Konsums. Zur Kulturgeschichte des Warenhauses im 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: Strategien der Werbekunst von 1850 - 1933,
Katalog zur Ausstellung, Deutsches Historisches Museum, 2004

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