Dr. Klaus Strohmeyer - Wissenschaftliche Recherchen
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Ursula Fesca: Lebensstationen

Ursula Fesca wurde im Jahr 1900 geboren. Sie stammte aus einem Forsthaus. Ihr Vater, Adolf Fesca, kam aus Berlin und hatte in Eberswalde Forstwirtschaft studiert. Die Mutter, Margarete Fesca, war eine geborene Philippi und stammte aus einem Offiziershaus. Sie brachte sechs Kinder zur Welt, zwei Söhne und vier Töchter, Ursula war das zweite Kind, die älteste Tochter, geboren 1900.

Ursula Fesca
Ursula Fesca

Die Mutter hatte ein großes Haus zu führen, trotzdem fand sie Zeit für ein Hobby: Sie malte, in der Hauptsache Ölgemälde mit Landschaftsmotiven, Bauernhäuser, Seestücke und Stillleben Von ihrer Mutter also hatte Ursula Fesca das künstlerische Talent geerbt, auch wenn es sie in eine andere Richtung lenken sollte, an Ölgemälden hat sie sich wohl nie versucht. Das Elternhaus hatte einen bildungsbürgerlichen Zuschnitt, hinzu kam die Forstwelt. Davon war sie geprägt von der - im Stile der Zeit - geschmackvollen Wohnumgebung des Forsthauses, davon musste sie sich zugleich auch losmachen, vom überbordenden Zierrat der Zeit, von den der Gemütlichkeit und dem Schutzbedürfnis dienenden Dingen der Kalten Pracht, um ihren Weg zu abstrakter Moderne, Funktionalität und schlichter, strenger Form zu finden. Das waren die zwei Welten, die in der Zeit ihrer Entwicklung zur Künstlerin einander ablösten. In ihrer Wohnung fand sich später kaum noch etwas von dieser gutbürgerlichen alten Wohnkultur.

Als Ursula Fesca 1920 ihr Kunststudium in Dresden begann, dürfte es auch an den Kunsthochschulen nur wenige Studentinnen gegeben haben. 1921 setzte sie ihr Studium in Berlin fort. Aus dieser Zeit an der staatlich anerkannten Kunstschule des "Vereins der Berliner Künstlerinnen" stammen eine Reihe von Kohle- und Bleistiftzeichnungen, Akte, Tier- und anatomische Detailstudien, hinzukommen einige Augenblicksskizzen mit Bleistift, von einer Eisenbahnfahrt, Modeentwürfe, Strandeindrücke. Und eine größere Kohlezeichnung: wartende Droschken im Regen am Potsdamer Bahnhof, expressionistisch im Schwung der kräftigen Umrisslinien und der schräg einfallenden Tropfen.

Eine Augenblicksskizze, wie ein Schnappschuss, aufs Wesentliche konzentriert, mit wenigen Strichen sind die Personen in ihrer Bewegung festgehalten, fast schon karikaturhaft zugespitzt. Es ist wohl das einzige erhaltene Bild von ihr, das unmittelbar aus einer städtischen Alltagssituation gezeichnet wurde.

Nach dem Studium an der Kunstschule folgte eine Ausbildung bei Willy Jaeckel im Akt- und Porträtzeichnen. Zu der Zeit, als Ursula Fesca bei ihm lernte, 1923/24, war Jaeckel, der 1919 Mitglied der Kunstakademie geworden war, noch nicht als Hochschullehrer tätig, hatte nur zeitweise eine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule inne, erst später erhielt er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung. Dass Ursula Fesca nach abgeschlossener Ausbildung bei ihm Unterricht nahm, deutet wohl darauf hin, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt noch unentschieden war, wohin sie ihr künstlerischer Weg zwischen Tradition und Moderne stilistisch führen würde. Jaeckel wird in seiner Orientierung am Vitalismus nicht der Künstler gewesen zu sein, der ihren Blick auf die Avantgarde der Zeit richtete.



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